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Aber wir kauften da nicht nur ein. Im Sommer wurden an manchen Tagen Blechkuchen gebacken. Bei uns waren es Rahm, Zucker, Zwetschgen-und Apfelkuchen. Diese wurden in grossen Blechen vorbereitet und dann zur Bäckerei gebracht. Nach ein paar Stunden hat man sie fertig gebacken wieder abgeholt. Man lief dann, meist mit 2 Bleche gegen die Hüften gestemmt und die Hände mit einem Grubentuch vor der Hitze geschützt nach Hause. Das machten übrigens viele Familien damals und so warteten immer einige Frauen vor der Backstube auf ihre Schätze.Zu Verwechslungen ist es glaube ich nie gekommen.
Für uns Kinder gab es auch immer eine Süssigkeit. Ich liebte das Eiskonfekt. Es war nicht wie heute einzeln verpackt. Man kaufte es für 2Pfennige. Es war so gross und sah auch fast so aus wie ein Kronkorken. Kaufte man mehrere wurden sie in Minitüten aus Butterbrotpapier gefüllt. Bis man nach Hause kam hatte man meistens nur noch einen Klumpen, da sie bei der geringsten Hitze schmolzen. Dem Geschmack tat das aber keinen Abbruch.
Es gab auch noch essbares Papier, Brausetütchen, Lakritzeschnecken und andere Köstlichkeiten. Ich glaube 90% meines nicht reichlichen Taschengeldes ist hier gelandet.
Unsere Milchprodukte kauften wir beim Milch-Kühn bei der kleinen Kirche.
Man hatte damals noch richtige Milchkannen aus Blech. Das Geschäft hatte eine „Milchzapfanlage“. Bediente Herr Kühn den Hebel einmal, war ein halber Liter in der Kanne.
Einen Teil dieser Milch liess meine Oma immer extra auf der Spüle stehen, damit sie sauer wurde. Dann gab es Bratkartoffeln mit Sauermilch. (Versuche mit heutiger Milch sind nicht zu empfehlen). Neben der Zapfanlage für Milch gab es noch einen Sahnespender. Wir Kinder bekamen dann immer eine Waffel mit Sahne. Aber noch stolzer war ich, wenn ich den Hebel für die Milch selbst bedienen durfte.
Als besonderes Nervenkitzel auf dem Nachhauseweg haben wir Milchkannenschleudern gemacht. Mit ausgestreckten Arm die Milchkanne über Kopf kreisen lassen ohne dass etwas verschüttet wird. Falls es schief ging sah man nicht nur aus wie ein begossener Pudel, man hatte zu Hause auch noch grosse Erklärungsnot. Meistens folgte Hausarrest oder Taschengeldentzug.
Bis zum nächsten mal
moni