|
Die Geschichte von Daxlanden
Nach der letzten Eiszeit kamen große Schmelzwassermengen aus den Gebirgen, welche der Rhein transportieren musste. Die Wassermassen rissen gewaltige Mengen an Sand, Stein, Kies und Geröll mit, welche sich in der Rheinebene ablagerten.
Der Rhein grub sich dadurch sein Bett in Schlangenlinien durch die Tiefebene und bildete eine Vielzahl von Inseln. Immer wieder wurden die Inseln und Teile des Hochgestades (Hamm) bei Hochwasser vom Rhein unterspült und brachen weg. Eine größere Ansiedelung gab es darum in diesem Gebiet nicht. Es handelte sich dabei nur um Einsiedler und kleine keltische Gruppen welche sich in der Zeit von 400 bis 113 v.Chr. dort niederließen.
Die Römer hatten um 100 und 200 n.Chr. wohl versucht durch Brückenbau und Wegebau das verwirrende Rheinstromnetz passierbar zu machen. Dieses geschah wie so oft in der Geschichte jedoch aus militärischen Beweggründen.
Aus Urkunden im 16. Jahrhundert wird erwähnt, dass das “Alte Dorf” wohl auf der Insel Rappenwört gelegen haben muss. Die Insel Rappenwört war zu dieser Zeit noch linksrheinisch gelegen und hatte als unmittelbaren Nachbarn die Ortschaft Pforz (Maximiliansau). Funde aus der fränkischen Zeit und Hügelgräber im nördlichen Teil der Insel Rappenwört sind die Zeugen dafür, dass es dort eine Ansiedelung gab. Die Wälder waren dicht von Wild bevölkert. Die Einsiedler flochten aus Schilf und Ried Matten, die sie an starken Baumästen befestigten und in den Boden rammten und erstellten so die ersten Siedlerhütten. Mit der Zeit verbesserten sie die Wohnstätten indem sie die Äste mit Lehm und zerkleinertem Schilf zuschmierten. Nur das Dach war noch mit Schilf gedeckt. In der Nähe der Hütte wurde eine Feuerstelle errichtet die ebenfalls aus gebranntem Lehm bestand. Die Nahrung bestand größtenteils aus Fischen und erlegtem Wild. Auch Eier aus den Nestern des damals sehr verbreiteten Fasans, Wildtauben und Enten gehörten zum Speiseplan. Eine Tätigkeit in der Landwirtschaft konnte nicht nachgewiesen werden. Durch ihre Wasserkunde konnten sie sich auch manch klingende Münze als Schiffsleiter (Lotse) hinzuverdienen. Besonders bei Daheslar war der Wasserlauf des Rheines sehr zerklüftet. Auch der goldhaltige Sand bot eine gute Gelegenheit Geld zu verdienen. Ein Reichtum der Siedler lies sich jedoch nicht feststellen.
Der Rhein änderte durch Hochwasser ständig seinen Lauf und spülte dabei immer wieder Land weg. Das ursprüngliche Dorf brach in der Mitte des 7. Jahrhunderts in den Rhein und wurde mit dem Hochwasser weggeschwemmt. Einige Siedler versuchten auf den Inseln zu bleiben und ihre Hütten auf die Baumäste zu verlagern. Das muss jedoch sehr mühevoll gewesen sein, da die Geschichte nur einen Fall dieser Baumhütten nennt und zwar auf der Insel Rappenwört. Nach und nach zogen sich auch die verbleibenden Siedler sich auf das Festland zurück.
Andere Bewohner beschlossen gleich sich auf das Hochgestade zurückziehen, sich in einer Gruppe zu vereinigen und Wohnsitz zu gründen.
Das zweite Daxlander Dorf wurde auf dem Hochgestade in der heutigen Rheinstrandsiedlung bei der Dreifaltigkeit errichtet. Das Gebiet nannte sich „Legerteil“. Es war eine Mulde (früher sluch = Schlauch genannt). Die Mulde bot einen gewissen Schutz gegen Wind und Wetter. Ebenso verhüteten Sträucher und Hecken um die Mulde zu starkes Eindringen von Kälte. Der Rhein verlief zu dieser Zeit etwa dort wo heute der Federbach fließt. Wieder lag das Dorf also nahe am Rhein. Da die Mulde aber auf dem Hochgestade lag fühlte man sich sicher vor dem Wasser. Zu dieser Zeit hieß das Dorf Daheslarer Hof. Die älteste urkundliche Erwähnung von Daheslarer Hof stammt aus dem Archiv des Klosters Weißenburg aus dem Jahr 644. Aus der Vergangenheit gelernt wurden die Hütten mit Lehm verkleidet und manche sogar 2-räumig gebaut. Der eine Raum als Schlafstätte, der andere als Kochstätte. Auch wurde die Feuerstelle nicht mehr außerhalb, sondern innerhalb angelegt indem man ein Loch grub das überwölbt wurde um den Rauch abziehen zu lassen. Später wurden auch kleine Anbauten, die zur Tierhaltung dienten, angebaut. Da die Fischerei und die Lotsentätigkeiten zur Lebenshaltung nicht mehr ausreichte, wurde mit der Zucht von „Swinen“ (Schweinen) begonnen.
Später kam noch die Pferdezucht dazu. Die Schweinezucht war weit und breit bekannt und auch die Nachbardörfer brachten ihre Schweine zur „Eichelmast“ zum Daheslarer Hof. Man berichtet von bis zu 200 Schweinen, die dort gemästet wurden.
Die jungen Männer aus Mühlburg, Knielingen, Beiertheim und Bulach heirateten gerne in den Daheslarer Hof ein und versuchten dabei ihr „Schweineglück“ Doch sollen auch die Frauen eine gewisse Anziehungskraft gehabt haben. Es wird berichtet dass die „Daheslarer Wiber“ mittelgroße, schlanke Gestalten mit tiefschwarzen Haaren , braunen Augen und hellem Sinn gewesen sein sollen.
Die Männer waren wohl gebaute kräftige Gestalten, ebenfalls vom schwarzen Typ, mit ausgeprägter Muskulatur. Ihre Lebensart war rau und aufbrausend und mit großem Freiheitssinn durchsetzt.
Zu großen und kleinen Händeln waren sie stets beneigt. Sie lebten mit den „Knülingern“ (Knielinger) in ständiger Fehde. Die Knülinger füllten gerne ihre Fischkörbe auf Daheslarer Wassergebiet und lebten diesen zu Leid. Aber auch umgekehrt war dies oft der Fall.
Wurde ein Knülinger beim Fischraub erwischt, so wurde er seinem Fang und seinem Gerät beraubt. Dabei kam es oft vor, dass so mancher beim Händel sich in den kühlen Fluten des Rheines wieder fand.
Die Geschichte berichtet, dass durch das fischen auch so manche Hochzeit zu Stande kam:
Ein Knülinger Fischer wies einen Daheslarer Jüngling mehrere Male ab als er seine Tochter freien wollte. Als der Fischer eines Tages auf Daheslarer Gebiet beim fischen erwischt wurde, stimmte er, um seinen Fang und seine Geräte nicht zu verlieren, der Hochzeit zu. Trotz beiderseitig ausgemachtem Schweigen berichtete man an den „Hofes und Villas“ darüber.
Der damalige Daheslarer Hof entrichtete Abgaben an das Kloster Weißenburg.
Da die Daheslarer sich gegen jegliche Aufbürtung von Abgaben auflehnten, lebten sie in ständigem Krieg mit den Verwaltungsämtern des Klosters Weißenburg und Hagenbach. Doch die Hilfsbereitschaft und die Zuvorkommenheit der Daheslarer war genauso bekannt wie ihr leicht aufbrausendes Gemüt.
Eine Skizze im Landesarchiv zeigt das Dorf mit ca. 30 bis 40 Häuschen. Das Dorf war mit einem einfachen Holzzaun einbefriedigt an dem ein Gittertor angebracht war. Die Eingänge nannte man früher „Regatter“ und den vom Holzzaun eingegrenzten Raum nannte man „Ortsetter“.
Begriffe die sich bis heute bekannt sind.
Vom dürftigen Holzgitter aus führte ein schmaler Weg ins Freie, der sich in kurzer Entfernung vom Dorf in zwei Feldwege gabelte. Einer in Richtung Forchheim, einer in Richtung Ettlingen.
Ein Blick in die Wohnhütten zeigt uns eine trübe Beleuchtung und eine schlechte Luft. Eine rechteckige Luke (Fenster), durch die nur spärlich Tageshelle eindringt, ist von Dunstwolken umlagert.
An den Wänden hängen allerlei Gerätschaften. Der mit Lehm ausgestampfte Boden ist mit brüchigen Rohrmatten ausgelegt. Gegenüber der niedrigen Eingangstür, die aus Eichenbohlen gezimmert ist, sieht man die Feuerstelle sich hügelartig vom Boden erheben. Der Rauch erhebt sich in Schwaden Richtung Abzugsloch. Da er wenig Abflug findet ist er auch der Grund für die schlechte Luft im Raum.
Links der Tür findet man einen feststehenden Tisch, dessen Füße verschränkt in den Boden eingelassen sind. Um den Tisch befinden sich Bänke auf denen jeder (nach dem Alter geordnet) seinen Platz hat. Oberhalb des Tisches befindet sich ein einfaches Holzkreuz, das jeweils zur Essenszeit das Dankgebet an Gott vernimmt. Außer einigen Töpfen aus Ton oder Holz findet man auch manchmal eine Stockflinte, einige Fallen und Gerätschaften für die Fischerei.
Es soll auch komfortablere Hütten gegeben haben. Diese jedoch schildert die Hütte eines Durchschnittsiedlers. Das Bett, ein hochbeiniges Gestell, das mit Säcken aus Hanf welche mit Riedgras gefüllt waren belegt war ist ebenfalls an der Wand befestigt.
Decken gab es, außer für Kranke, keine. Es wurde mit den Kleidern (außer den Schuhen) geschlafen.
Die Bekleidung selbst bestand beim Mann aus Lederstiefeln, einer aus vielen Lederstücken gefertigten Hose, einem blauen Rock und einer schwarzen Mütze aus Leinen. Teilweise wurden von den Männern auch blaue Leinenhosen getragen. Unter den Überfräcken trugen Männer und Frauen Hemden aus Hanf , ebenso die Strümpfe. Alles wurde von den Frauen selbst angefertigt.
Die Frauen trugen schwarze Leinenröcke, ein weißes Halstuch, weiße Leinenstrümpfe und schwarze Derblederschuhe. Sie trugen selten Kopfbedeckung.
Im Jahre 1122 erscheint der Name Daheslar in der Güterbeschreibung des Klosters Gottesaue weil es unter dessen Verwaltung genommen wurde. Ab dem Jahre 1254 nannte sich das Dorf dann Daslar, 1261 erscheint der Name “Villa Daslar” (Villa = Dorf) in einer päpstlichen Urkunde, ab 1282 hieß es Daheslar, 1350 kam das Dorf zu den Gütern des badischen Fürstenhauses hinzu (Markgraf Rudolf IV.). Ab 1350 nannte es sich Daßlach, ab 1369 Dachslan, in diesem Jahr wird auch in einer Urkunde des Markgrafen Rudolf VI. erstmals die Appenmühle (Mühle des Appo) erwähnt als Bannmühle von Bulach, Beiertheim, Daxlanden, Mühlburg und Knielingen, 1377 hiess das Dorf dann Daßlan, 1388 Dazlan, danach Taslach und Daßlan und 1431 Dachszlan.
1381 lies Markgraf Bernhard am Rhein Deichbauten und Stromregulierungen vornehmen.
In der Zeit des 15. und 16. Jahrhunderts ging es dem Dorf sehr gut.
Diese Blütezeit wird beschildert als für ein Mädchen im Jahre 1451 sage und schreibe 40 Schweine als Mitgift in die Ehe mitgegeben wurden. Es gab ein hervorragendes Jagdgebiet und aus einem Rechtsstreit 1407 geht hervor, dass der König Ruprecht von Bayern das jagen in Daßlaner Gebiet bleiben lassen solle, was ein Begehren des Markgrafen Bernhard I. war und vom Erzbischof Friedrich von Cöln entschieden wurde. Das Jagdrecht in der Daßlaner Au war bereits ein Jahrhunderte altes Streitobjekt zwischen dem Markgrafen von Baden und den Pfalzgrafen. Am 3.Juli 1422 beklagt sich Markgraf Bernhard I. von Baden wegen Übergriffen des Ortes Neuburg gegenüber dem Eigentum und Wildbann von Daßlan. Aber nicht nur das Wild reizte die Nachbarn in den Daßlaner Auen zu jagen sondern auch der Anblick der fast undurchdringlichen Auen an den vom Wasser umspielt sich das Wild labte. Die zerklüfteten Ufer der Rheinarme, welche mit niedrigem Gebüsch bewachsen waren und mit weiten Strecken von Schilf umsäumt gewesen sind waren wohl ein Grund sich hier aufzuhalten.
Im Jahre 1463 erfolgte die Erhebung zur eigenständigen kirchlichen Pfarrei. In diese Zeit reicht auch die Verehrung der Heiligen Barbara und des Heiligen Valentin zurück. Vorher gehörte es kirchlich zu Forchheim. 1472 Der Generalvikar des Bischofs Matthias von Speyer bestätigt die Statuten der „Bruderschaft der Hl. Barbara“ zu Dachszlan.
1500 In Dachszlan wird die Notkirche ausgebaut.
1524 Eine große Wassersnot kommt über Dachszlan.
1535 wurde die Markgrafschaft geteilt und Dachszlan wurde der südlichen katholischen Markgrafschaft Baden Baden zugeteilt. Die Alb war Grenzgebiet zur evangelischen Markgrafschaft Baden Durlach. Aus alten Urkunden geht hervor, dass es zwischen Baden und der Pfalz Streitigkeiten über erhobene Zölle gegeben haben soll. Dabei sollen Pfälzer den Badener Zollpfahl in der Fritschlach herausgerissen und einen pfälzischen gesetzt haben. Auch wird bereits hier über ein Zollhaus berichtet, welches sich in Daxlanden II. befunden haben musste.
1560 Ein Streit der sich zwischen Dachszlan und Bulach abspielte wird folgend beschrieben: Der Streit dreht sich um den Zinserling Wald, der in der Nähe von Grünwinkel bei der Appenmühle lag. Dachszlan machte Anspruch auf diesen Wald, als Gemeindeeigentum, während Bulach die Meinung vertrat, dass dieser Wald gemeinsames Gut sei. Die Bulacher waren im Besitz alter Dokumente, darunter ein Pergamentbrief von Markgraf Christoph aus dem Jahre 1459, welcher, der Feuchte wegen, etwas schadhaft geworden war. Darin stand, dass den Bulachern 50 Morgen Wald des Bruches ob dem See, sowie das Bahnholz, das vom Schloß zu Mühlburg hinauf bis nach Bulach geht, als Besitz zu. Den Dachszlanern ebenfalls 50 Morgen Faulbruch als Besitz. Im übrigen Wald, besonders in der Eberau, sollten die beiden Dörfer gemeinsamen Brauch und Zufahrt haben. Die Dachszlaner aber, die stark auf ihr Eigentumsrecht pochten und sich mit allen Mitteln ihres Waldes erwehrten, brachten eine Menge Zeugen die bestätigten, dass die Bulacher Missbrauch mit dem Waldholz trieben. So berichtete der damalige Müller der Appenmühle „Melchior“, welcher Holz zum bauen brauchte und sich vom Schultheiß von Bulach einige Stämme geben ließ, dass er pro Stamm 2 Maß Wein zahlte, die der Schultheiß für sich verwendete. Beim Prozeß darüber wurde 1561 durch den „Oberhofrichter Langemantel“ entschieden, dass der Wald den Dachszlanern als alleiniges Eigentum verbleibe.
Erst im 16.Jahrhundert nähert sich der Namen mit Dachslandt an die heutige, seit dem 17 Jahrhundert übliche Schreibweise Daxlanden an.
1560 Der Rhein bei Daxlanden wird weiter nach Westen gelegt.
1579 Im Goldgrund bei Daxlanden erlebt die Goldwäscherei eine Blütezeit. Im 18. Jahrhundert wird sie unergiebig. Es existieren noch die letzten Reste eines „Im Beeracker“ genannten Dorfes aus der Merowingerzeit auf dem heutigen Rappenwört.
Immer wieder wird von grossen Überschwemmungen berichtet. Eine exakt beschriebene Überschwemmungsphase im Jahre 1500 berichtet, dass 60 Herdstätten, das Rathaus und die Kirche vernichtet wurden. 7. Februar 1590 Daxlanden erleidet schwere Hochwasserschäden, wobei der ganze nach Knielingen führende Damm weggerissen wird.
Im Januar 1597 wird in einer markgräflichen Gemarkungsbeschreibung ein 100 Morgen umfassender „Hof Kreenwinckel“ (Krähenwinkel, Grünwinkel) erwähnt.
Die Kämpfe um das Jagdgebiet verursachten Groll und Hass mit Bulach und Grünwinkel. Ein stetiger Zankapfel war Grünwinkel, das erst im 16. Jahrhundert entstand und sich mit seinen Ländereien zwischen Daßlan und Bulach schob. Es war zuerst nur ein Gutshof, dem sich mit der Zeit einige Siedler beigesellten. Da der Hof auf der Grenze zwischen Daxlanden und Bulach lag, war für ihn eine Ausdehnungsmöglichkeit nicht gegeben. So musste der Ansiedlungsboden von Bulach und Daxlanden erst genehmigt sein. Der junge Hof, der sich immer mehr bevölkerte, brauchte, um sich zu erhalten, Grund und Boden. Selbstverständlich weigerten sich die beiden Dörfer, dem jungen, „dem Eindringling“, auf irgend eine Art und Weise zu helfen. Im Gegenteil, es wurden Steine in den Weg gelegt wo es nur ging. Doch ein Machtspruch des Markgrafen Phillipp von Baden, an den sich die Grünwinkler gewandt haben, enthob es jeder Not.
Daxlanden musste den Grünwinklern ihre Weideplätze zur Verfügung stellen, auf welcher deren Rinder, Schafe, Schweine und sonstige Haustiere weiden konnten. Die Sauen durften auf die Daheslarer Eichelmast, die von Ende September bis bis Ende November ging, getrieben werden. Dafür mussten die Grünwinkler von jedem Sauenwurf eines an Daxlanden abgeben.. Bulach musste einige Morgen Ackerland abgeben. Der Holzbedarf durfte aus beiden Wäldern bezogen werden.
Durch diesen Spruch wurde ein glühender Haß der beiden Dörfer gegenüber Grünwinkel entfacht.
Aber hinter Grünwinkel stand die Markgrafschaft, die sich um das Wohlergehen der jungen Siedlung sehr kümmerte und ihr alle Rechte einräumte.
Die schlimmste Wasserflut erfolgte im Jahre 1651. Der Winter des vorhergehenden Jahres war einer der kältesten und schneereichsten seit geschichtlichen Gedenkens. Ende Februar und Anfang März setzte nun eine Schneeschmelze ein, die sämtlichen Nebenflüssen des Rheins solche Wassermassen zuführte, dass die Täler völlig überschwemmt wurden. Die natürliche Folge davon war, dass auch der Rhein solche Wassermassen zu Tal führte, die dessen unbefestigten Ufer diese nicht mehr zu fassen vermochte. Brausend und grollend, mit unheimlichen Dröhnen brachen sich die überlaufenden Wasser des Rheins in spritzender Gischt an der Wand des Gestades. Alles wehrfähige Volk stand kampfbereit am Ufer, gesonnen das Leben einzusetzen für das Wohl der Heimatscholle. Von Minute zu Minute stieg das Wasser. Die Männer trafen Vorkehrungen die geschwächten Stellen des Gestades zu befestigen, um den gurgelnden Wassermassen keine Chance zu geben durchzubrechen. Alles hatte vollauf zu tun, um die drohende Gefahr abzuwenden. Waren die Männer mit dem wilden Wasser beschäftigt, so waren die Frauen mit dem versorgen der Tiere und beischaffen von Materials, welches zur Wasserabwehr benötigt wurde, vollkommen in Anspruch genommen. Säcke, Ketten, Balken und Stricke wurden gebraucht um die schwachen Stellen zu halten.
Doch jede Mühe war umsonst. War die Gefahr über Tag schon so groß, dass man die ernstesten Befürchtungen hatte, so vergrößerte sie sich noch während der Nacht in solchem Masse, dass der Rhein zwischen Forchheim und Daheslar am denkwürdigen Morgen des 6. März 1651 zwischen 3:00 und 4:00 Uhr das Hochgestade durchbrach und sich mit furchtbarer Gewalt über Land und Flur ergoss, das Dorf Daheslar vollkommen überschwemmend.
In der knappen Zeit von kaum 40 Minuten sah man Daheslar einer Insel gleich aus dem Wasser hervorragen. Steine Bäume und Geröll gaben dem Wasser eine solche Wucht, dass die von ihm bespülten Häuser völlig zerstört wurden. Alles dem Wasser im Wege stehende wurde hinweg gerissen und talabwärts geführt.
Selbst die im tiefsten Frieden ruhenden Toten wurden aus ihrem ewigen Schlaf gerissen und die Wellen trugen sie auf ihrem Rücken davon. Das Kirchlein neigte über dem gurgelnden und grabenden Wasser sein Haupt und versank fast völlig in den Fluten. Die Menschen suchten so lange als möglich unter Fluchen und Schreien und dem markerschütternden Brüllen der ebenfalls Rettung suchenden Tieren Schutz auf dem höher gelegenen Gelände.
Hier wurde manch wackerer Daheslaher, der sein Leben zur Rettung anderer einsetzte oder Hab und Gut den Wellen abzuringen versuchte, selbst in die Fluten gezogen und von dem entfesselnden Element hinweggeführt. Menschen, Tiere, Hausgeräte, Kasten und Kisten, alles mögliche und unmögliche trieb auf den Fluten dahin. 150 Menschen kamen zu Tode, 700 Morgen Daxlander Feld und 20 Häuser wurden vernichtet.
Nach Rückgang des Wassers, was etwa nach 5 bis 6 Tagen eintrat, war Daheslar und seine einstmals so fruchtbaren Fluren ein einziges Trümmerfeld. Die Äcker und Wiesen waren mit Schlamm, Kiesgeröll, Sand, toten Menschen- und Tierleibern übersät. Das Dorf selbst stand, weil es in einer Mulde lag völlig unter Wasser, da die Mulde keinen Abfluss hatte. Nur die Giebel einiger Häuser ragten noch hervor und boten einen trostlosen Anblick. Aber auch diese wurden von dem nagenden Wasser zerfressen, so dass der Ort völlig in den Fluten verschwand und von dem einst so blühenden Daheslar nichts mehr zu sehen war. Der Einbruch ist heute noch zwischen dem beschriebenen Gebiet gut erkennbar Die Steilabfälle vom Hochgestade (Hamm) zum Federbach betragen zwischen 7 und 8 Metern.
1652/1653 Eine Rheinkorrektion führt zum Durchstich des Fritschlachdammes und zur Ausgrabung eines neuen Hauptstrombettes, wodurch Staudenwört, Kastenwört und Fritschlach rechtrheinisch werden.
Das dritte Daxlander Dorf entstand an dem Orte des heutigen Alt-Daxlandens.
Das Dorf erholte sich nur sehr langsam von den Folgen des Hochwassers.
Erwähnenswert ist an dieser Stelle das „Geschlecht der Hauer“. Diese Berufsgattung beteiligte sich sehr stark am Wiederaufbau des Dorfes Dagsland. Sie linderten mit eigenen Mitteln die Not wo es nur ging. Die „Hauer“ waren die ersten fliegenden Händler weil sie die vorbeifahrenden Schiffe mit allerlei Waren belieferten und dabei gutes Geld verdienten. Sie gaben Geld an die Armen und erliesen den Schuldnern ihre Schuldscheine. Dadurch entstand wieder ein kleines, armseliges Dorf, das sich von den Fischen des Rheines ernährte. Das Dorf bestand aus ca. 30 Häuschen und einer Notkirche mit freistehendem Kirchturm.
1665 Der Gastwirt und Müller Franz Strauß aus Mühlburg baut die im Dreißigjährigen Krieg zerstörte Appenmühle wieder auf. 1689 wird sie von den Franzosen niedergebrannt.
1673/1677 Errichtung neuer Rheindämme um Daxlanden und Rappenwrt. Schon früher z.B 1560, 1652/53 hat man versucht, durch Rheinkorrektion und Dammbauten den Rhein zu bändigen.
10. Februar 1683 Die provisorische Kirche in Daxlanden ist so baufällig, dass keine Messe mehr darin gelesen werden kann.
Um überleben zu können wurde wertvolles Land gegen Nahrungsmittel getauscht. Hinzu kamen der 30jährige Krieg und der Orleanische Krieg. Hier wurden jahrelang die Wildbestände unwiederbringlich dezimiert weil die französischen Soldaten aus Langeweile heraus jagten und fischten. Und auch die Bevölkerung hatte nichts anderes für ihre Ernährung als Wild und Fisch. Völlig verarmt überlebten nur wenige den 30 jährigen Krieg. Die Häuser waren zur hälfte leer und brüchig. Das Kirchlein war baufällig und es fehlte jeglicher Aufbauwille.
1697 wurden zudem von Daxlanden 500 Gulden Kriegsentschädigung an französische Truppen gefordert. Das Geld musste sich Daxlanden beim Schultheiss (Bürgermeister) von Hagenbach leihen, konnte es jedoch bereits nach einem Jahr nebst Zinsen wieder zurückzahlen. Dies war durch einen Sonderholzschlag möglich.
Durch die Rückwanderung von Kriegsflüchtlingen entstand wieder Aufbauwille.
Noch heute finden wir die Spuren des alten Daxlandens am Haus des Landwirtes Höll I. in der Malvenstrasse. Der Bau des Hauses reicht ins Jahr 1690 zurück. Ehemals war es Zollstelle, später ist es Gasthaus geworden. Der rheinbrüchige Teil Daxlandens mit Rathaus und Kirche wurde abgetragen und neu erstellt. Hieraus folgten die ersten Anfänge des heutigen Dorfes.
Ein Haus aus dem Jahre 1711 ist das fränkische Fachwerkhaus Ecke Pfarrstrasse und Hammweg. Dieses schön restaurierte Haus ist heute noch zu bewundern.
Ein Jahr vor der Überflutung, also 1650, entstand, wie bereits erwähnt, die Siedlung „Krähwinkel“.
Diese hatte gewisse Waidrechte auf dem Daheslarer Gelände. Hierfür mussten die Krähwinkler Abgaben zahlen. Die beiden Gemeinden Dachslar und Krähenwinkel, welche in ewigen Grenzhändel lebten, waren nach dem 30 jährigen Krieg dazu gezwungen sich gegenseitig aufzuhelfen.
Zu der Abgabe floss nun auch der Landzoll von Grünwinkel nach Dagslanden.
Mit dem durch Grünwinkel erhobenen und zwischen 1711 und 1717 an Daxlanden entrichteten Landzoll wurde die St. Valentinskirche gebaut.
1713-1723 Errichtung der Kirche (St. Valentin) nach Plänen von Johann Ludwig Michael Rohrer. Der Bau ist von Markgräfin Sibylla Augusta veranlasst, da das bestehende "Ersatzkirchlein" baufällig war und den 64 Bürgern, 4 Witwen (Ehefrauen werden nicht gesondert gezählt) und 164 Kindern des Ortes nicht mehr zugemutet werden konnte.
7. September 1714 Die Gemeinden Bulach, Daxlanden und Grünwinkel schließen einen Vertrag, der den landarmen Grünwinkler Bürgern 80 Morgen Feld sichert.
Die Krähenwinkler wurden in die Dagslander Pfarrei überführt und ihr Seelenheil dem damaligen Pfarrherrn Johann Schrempp unterstellt. So wie die Grünwinkler den Landzoll erhoben, erhob Dagslanden den Wasserzoll. Eine Fähre bei Dagslanden, die die einzige Verbindung zwischen Baden und der Pfalz war, brachte allerlei Güter von Bayern nach Baden (die Pfalz gehörte zu Bayern).
Sämtliche überrheinische Waren die ins Land eingeführt wurden, unterlagen dem Dagslander Wasserzoll. Der Wasserzoller, der die Höhe der Zölle bestimmte, war ein alter erfahrener Fische und Lotse, Jakob Kuderer mit Namen. Diesem wurde jedoch nachgesagt, das so einiges an überrheinischem Wein schwarz hierher kam. Ebenso soll auch der Paul Hauer, der mit allen Wassern gewaschen war, dem Schmuggel hold gewesen sein. Doch zur Ehre der beiden sei gesagt, dass sie die Pfeiler des Wiederaufbaus waren und ihre Mitmenschen unterstützt haben wo sie nur konnten.
In dieser Zeit laufen auch die Bauarbeiten für die Fächerstadt.
Im 18. Jahrhundert zogen dann für Daxlanden wieder bessere Zeiten auf durch die Fähr- und Schiffsstation mit der auch eine Zollstation verbunden war. Daxlanden war eine begehrte Schiffsstation. 2 Gasthäuser luden die rheinabwärts fahrenden Kaufleute ein. Ein Gasthaus “Das Schiff”, was zugleich als Zollstube diente und das zweite Gasthaus “Zum Sternen”
1755 Baumeister Peter Rohrer ersetzt die Laterne der Daxlander Valentinskirche durch einen Turmhelm.
18. Mai 1776 Daxlander Bürger und pfälzische Untertanen geraten handgreiflich aneinander, weil die Pfälzer im Goldgrund ohne Berechtigung Weiden hauen wollten. Drei Frauen ertrinken dabei. Solche Streitigkeiten gab es für die Daxlander als Grenzbewohner häufiger.
Durch die Gasthäuser kamen viele Schiffsleute nach Daxlanden, unter ihnen auch der englische Schiffsbauer York und der Matrose Nelson, der ein Verwandter des berühmten Admirals Nelson gewesen sein soll. 1783 wurden für die Errichtung einer herrschaftlichen Jagdfischerei 3 englische Matrosen eingestellt. Einer von ihnen, Harry York, bekam 1783 das Recht in seinem Wohnhaus das Gasthaus “Das Schiff” zu betreiben. Auch Holländer kamen nach Daxlanden, woran uns die Holländerstrasse heute noch erinnert. Holland bezog große Mengen Holz aus den Bergdörfern bei Ettlingen und Herrenalb. Das Holz wurd nach Daxlanden gebracht, zu Flößen zusammengebunden und flussabwärts nach Holland geschickt. Da alles Holz verzollt werden musste blühte das Geschäft.
Im Jahre 1800 erhielt der Ingenieur Gottfried Tulla von Großherzog Karl-Friedrich den Auftrag ein durchgehendes Hochwasserschutzprogramm zu erarbeiten.
Im Jahr 1813 zählte Daxlanden 920 Einwohner, welche in 154 Wohngebäuden lebten. Die Einnahmequellen waren nach wie vor die Jagd und die Fischerei.
Der Durchstich des neuen Rheinbettes bei Daxlanden erfolgte im Jahre 1819. Dadurch verlor Daxlanden seine linksrheinischen Gemarkungsgebiete. Daxlanden zählte zu dieser Zeit 1000 Einwohner und verlor ebenfalls seine Stellung als Schiffs- und Zollstation und Rappenwört wird endgültig rechtsrheinisch. Es wurde wieder ruhiger in Daxlanden.
1828 Der Gemeinderat beklagt, dass seit 1795 1.300 Morgen Land durch Hochwasser verloren gegangen seien. Besonders schwere Überschwemmungen habe es 1758, 1760 1784, 1791, 1797 und 1802 gegeben. Hochwasserjahre werden mehrfach in jedem der zurückliegenden Jahrhunderte verzeichnet, dabei oft mehrere Jahre hintereinander. Auch im letzten Jahrhundert kamen zahlreiche Hochfluten des Rheines mit verheerenden Wirkungen vor, solange die allgemeine Korrektion nicht durchgeführt war. Wochen- und monatelang nach Abzug der Hochflut stand in solchen Zeiten noch Wasser in Kellern, Stallungen und Feldern der in der Niederung liegenden Rheinorte, die Wohnungen waren durchfeuchtet, die Umgebung von Sümpfen bedeckt. Unvermeidliche Folge war, daß nicht nur die Bewohner der Niederung selbst, sondern auch der Orte unmittelbar am Hochgestade von Malaria und typhösen Fiebern heimgesucht waren.
Noch im Frühjahr 1817 sollte mit dem Abholzen der in die Durchstiche fallenden Waldflächen begonnen werden, doch verhinderten die Gemeinden Knielingen und Daxlanden mit Gewalt die Ausführung, weil nicht nur für Durchstich viel Gelände notwendig wurde, sondern auch der gegen den bayerischen Ort Wörth hin gelegene Gemarkungsteil von Knielingen mit 154 ha künftig links des Rheines zu liegen kam. Daxlanden war an den Veränderung dadurch beteiligt, dass es Gelände an Knielingen abzutreten hatte. Erst durch Belegung des Ortes Knielingen mit militärischer Exekution konnten der Widerstand beseitigt und der dem Durchstich vorausgehende Leitgraben im Oktober, und zwar unter Einsatz beurlaubter Soldaten, begonnen werden.
Selbst Baumeister Tulla wagte sich damals nur bewaffnet an die Baustellen heran. Angesichts der Regressforderungen und den verlockenden neuen Verdienstmöglichkeiten löste sich jedoch der Knielinger Widerstand rasch auf. So waren im Herbst 1817 bei Knielingen bereits über 800 Arbeiter beschäftigt. Auf das Erwerbsleben im Dorf hatte der Rheindurchstich unmittelbare Auswirkungen, denn die wertvollen Goldgründe auf linksrheinischer Seite wurden schlicht unter Wasser gesetzt. Die bald stark beschleunigte Strömung des Rheins versetzte den traditionell ausgeübten Gewerben des Fischfangs und der Goldwäscherei den Todesstoß. Die Fischbestände verringerten sich dramatisch, und die Goldausbeute konnte bald niemanden mehr ernähren.
Für das verlorene linksrheinische Gebiet, das nunmehr zum Königreich Bayern gehörte, wurden die Knielinger mit dem Gewann „Hörnlesgrund“ abgefunden. Für die Sicherheit Knielingens erwies sich die Rheinbegradigung mit dem Dammbau langfristig jedoch als Segen, hatten doch verheerende Überschwemmungen immer wieder ganze Ernten vernichtet, wie 1770 in besonders dramatischer Weise. Nicht nur der Schifffahrtsweg hatte sich zunehmend verkürzt, durch die erhöhte Fließgeschwindigkeit vertiefte und stabilisierte sich auch das Flussbett. Leidige Grenzfragen mit der Pfalz gehörten bald der Vergangenheit an. Als gesundheitliche Wohltat für die Untertanen erwies sich die Trockenlegung der mückenverseuchten Sumpfgebiete, wodurch die Fiebererkrankungen abnahmen. Bisher nur schlecht nutzbare Flussauen wandelten sich zu wertvollen Agrarflächen.
Der Bedarf an Arbeitskräften war recht erheblich und betrug z.B. bei dem Eggenstein-Neupfortzer Durchstich, unterhalb von Knielingen, 3000 Mann; auf 30m Länge eines Leitgrabens kamen durchschnittlich 10 Arbeiter. Hatte ein Durchstich den Talweg der Strömung aufgenommen, so überließ man es dieser, den kiesigen Boden bis auf die geplante Breite des Flussbettes von 240 m abzuschwemmen, befestigte dann den künftigen Uferfuss durch Senkstücke, erst später baute man die Böschung unter und über Wasser nach Normalprofilen weiter aus. Nicht immer war der Vorgang so einfach.
1828 starb Gottfried Tulla nach einer langen Krankheit. Die Fortführung der Rheinbegradigung erfolgte durch Max Honsell.
1835 wird die Kirche St. Valentin durch einen Anbau erweitert.
1847 Gründung des Gesangsvereins Liederkranz.
1850 wurde die Fritschlach und der Kastenwört durch Ableitung des Federbaches entwässert und dadurch 1700 Morgen wertvolles Land gewonnen.
Ein Morgen (Mg) ist ein altes Flächenmass. Ursprünglich war es die Fläche, die mit einem einscharigen Pferde- oder Ochsenpflug an einem Vormittag pflügbar ist, daher auch „Joch“ oder „Jauchert“ genannt. Oft wurde der Morgen als Rechteck mit Seiten einer geraden Anzahl lokaler Ruten festgelegt, da beim Pflügen das Wenden möglichst vermieden werden soll. Diese Größe liegt meist zwischen einem viertel und einem halben Hektar, aber es waren auch Morgen jenseits 10.000 m² in Gebrauch, besonders in den Marschen. Im 20. Jahrhundert setzte sich der metrisierte Morgen des Norddeutschen Bundes von 25 Ar durch (eingeführt 1869), der inzwischen aber fast vollständig vom Hektar bzw. Quadratmeter und -kilometer abgelöst worden ist. In Baden waren ein Morgen bis zur Standardisierung 3600 m².
1874 wurde die freiwillige Feuerwehr gegründet.
Im Jahre 1882/1883 brach ein Damm in Neuburgweier und setzte die Fritschlach 2 Meter unter Wasser. Das Wegkreuz in der Fritschlach erinnert noch heute daran. Dennoch blieb der Ortskern durch die Rheinbegradigung vom Hochwasser verschont. Lediglich die Ziegeleien bei den Saumseen wurden arg in Mitleidenschaft gezogen.
Im Jahre 1885 zählte Daxlanden 2658 Einwohner, die in 337 Wohngebäuden lebten.
1889 Gründung des Turnvereins Daxlanden im Gasthof “Schwarzer Adler” (heute Metzgerei Bayer)
1894 wurde die Appenmühle mitsamt der Gaststätte von der Stadt Karlsruhe für 280.000 Mark gekauft. Sie ist ein beliebtes Ausflugsziel der Karlsruhe. Als sie im Jahre 1895 abbrannte, wurde sie noch im selben Jahr wieder aufgebaut.
1896 wurde der Musikverein Lyra im Gasthaus “Zum Lamm” (heute Casa Rustica) gegründet.
Im Jahre 1902 wurde der Rheinhafen eingeweiht, für den Daxlanden etwa 440 Hektar seiner Gemarkung genommen wurden. Hier beginnt die Zeit der Kohlebuckler. Viele Tagelöhner fanden im Rheinhafen Arbeit beim Ver-und Entladen von Waren. Einige von ihnen verdienten sich zu ihrem mageren Lohn noch etwas dazu, in dem sie die Kohlensäcke Freihaus lieferten. Das waren die Kohlebuckler, da sie die Kohlensäcke auf ihren Schultern trugen.
1905 spaltet sich der Turnverein Daxlanden in die “Freie Turnerschaft” und die ab 1906 bestehende “Turngemeinde” auf.
Der katholische Jünglingsverein (späterer DJK) wird 1905 gegründet.
1908 Gründung des Kleintierzuchtvereins
Am 1. Januar 1910 wurde Daxlanden zur Stadt Karlsruhe eingemeindet. Daxlanden zählt zu dieser Zeit 4227 Einwohner Ein Teil des Eingemeindungsvertrages lautet, dass die Strassenbahn innerhalb eines Jahres nach Daxlanden geführt werden müsse. Dies konnte nicht eingehalten werden weil die Gesellschaft des Lobberle die Rechte daran hatte eine Verbindung nach Daxlanden zu errichten. Die aber hatten, wie bereits die Jahre zuvor, keine Interesse daran weil sich diese Linie nicht rentieren würde. Als sich die Stadt, bedingt durch die vertraglichen Verpflichtungen durch den Eingemeindungsvertrag, doch entschloss die Strassenbahnlinie zu bauen reagierte das Lobberle sofort und wollte nun auch die Linie bauen. Doch nichts geschah. Erst als die Stadt Karlsruhe die vorhanden Pläne für die Strassenbahn und einige Sondergenehmigungen an das Lobberle weitergab um das Vorhaben voranzutreiben und wieder den “eigenen Bau” einer Strassenbahnlinie in Aussicht stellte ging es 1913 los. Die Strecke wurde in nur 6 Wochen nach Daxlanden gebaut.
Ersatzweise wurde eine Omnibuslinie von Mühlburg her eingerichtet. Dies war die erste Omnibuslinie in Karlsruhe, die ab dem 30.12.1911 von einem privaten Unternehmer aus St. Blasien betrieben wurde. Sie wurde aber wegen Unwirtschaftlichkeit bereits am 01.04.1912 wieder eingestellt. Die Daxlander wollten die versprochene Strasenbahn und keine Busverbindung.
Ab dem 08.12.1913 wurde die Lokalbahn Lobberle nach Daxlanden geführt. Allerdings nicht wie versprochen elektrisch, sondern noch mit Dampf. Die Schmalspurbahn endete in der Pfalzstrasse 20m vor der Taubenstrasse. Sie ging über die Pfalzstrasse über die Rheinhafenstrasse (früher auch Pfalzstrasse) nach Grnwinkel, bog in die Durmersheimerstrasse ein, ging über die Zeppelinstrasse zum Kühlen Krug. Um in die Innenstadt zu kommen, musste man dort in die Strassenbahn umsteigen, denn die Lokalbahn fuhr nur über die Kriegsstrasse weiter nach Hagsfeld. Da auch die Strassenbahn über die Kriegsstrasse fuhr bestand dort das sogenannte 3-Schienengleis. Am Ettlinger Tor gibt es noch so ein Stück zur Erinnerung.
4. November 1911 Grundsteinlegung für die Heilig Geistkirche in Daxlanden. Die Einweihung erfolgte am 27. Oktober 1912 durch Weihbischof Dr. Knecht.
1912 Gründung des Fußballvereins Daxlanden (FVD) aus den Vereinen FC Germania und FC Alemania
1918 Gründung der Musikvereinigung Daxlanden.
1919 wurde die Strecke des Lobberle nach Daxlanden elektrifiziert.
Die ersten drei Kleinwohnhäuser mit 2 Zimmern und je einer Wohnküche, einer Toilette und einer Kleintierstallung baute die Stadt Karlsruhe 1918 in der Holländerstrasse. Der katholische Stiftungsrat hatte sich gegen den Bau ausgesprochen, da die Häuser auf dem ehemaligen Friedhof, der erst 1898 geschlossen wurde, gebaut werden sollten und die Zeit seit der Schliessung zu kurz wäre. Ausserdem würden Armenhäuser bzw. Notbauten nicht in die Umgebung hineinpassen. Die Stadt Karlsruhe wies darauf hin, dass es sich bei den geplanten Häusern nicht um Armenhäuser handle, sondern um Einfamilienwohnhäuser Um die Pietätsempfindungen zu schonen lies die Stadt daraufhin die Gebeine und Grabstätten auf eigene Kosten verlegen. Die Häuser wurden gebaut.
1919 folgten dort sowie in der Valentinstrasse zwölf weitere Einfamilienhäuser diesen Typs.
Die Gründung der Daxlander Bürgervertretung wurde 1919 vollzogen. Noch ohne Eintragung als Verein.
1921 bildet der Musikverein Lyra zusammen mit der Musikvereinigung Daxlanden den Arbeitermusikverein Daxlanden mit etwa 400 Mitgliedern.
Der katholische Jünglingsverein gliedert sich 1921 dem Bund der deutschen Jugendkraft an. (DJK)
1922 wurde die Daxlander Bürgervertretung als Daxlander Bürgerverein in das Vereinsregister eingetragen.
Die städtische Strassenbahnverbindung nahm am 5. Mai 1928 ihren Dienst auf. Anfangs ging die Strassenbahn vom Entenfang über die Vogesenstrasse, bog links ab in die Daxlanderstrasse, kam wie heute auch über die Ankerstrasse, ging aber am Kirchplatz geradeaus über die Kastenwörtstrasse und endete am Hammweg. Erst ein Jahr später zur Einweihung des Rappenwrtbades fuhr sie dann auch weiter zum Rheinstrandbad. Am Kirchplatz kreuzte sie dann mit dem Lobberle, das über die Pfalzstrasse von Grünwinkel her kam und an der Rappenwörtstrasse endete. Um die Schienenkreuzung zu sparen verlegte man die Endhaltestelle des Lobberle zurück auf der Pfalzstrasse (vor das Schulhaus). Ursprünglich war einmal angedacht das Lobberle weiterfahren zu lassen über die Pfarrstrasse, den Waidweg bis zum Grünen Wasser/Alter Federbach, wo das neue Hafenbecken entstehen sollte. Das Hafenbecken wurde aber erst in den 30er Jahren weiter östlich gebaut. Trotz dass das Lobberle anfangs nicht sehr beliebt war und ja mittlerweile eine städtische Strassenbahnlinie vorhanden war wurde die Verbindung nach Grünwinkel und zum Kühlen Krug recht gut genutzt weil viele der Daxlander auch bei Sinner oder der Herdplattenfabrik arbeiteten
1928 wurde das Rheinstrandbad Rappenwört und die Vogelwarte errichtet und am 20.Juli 1929, zur Eröffnung, wurden bereits tausende von Besuchern angelockt. Damit war ein Teilziel der Planer bereits erreicht, welche auf der Insel Rappenwört ein Strandhotel, ein Cafe mit Tanzgestade, Sportplätze und einen Schulbetrieb der für die Allgemeinheit zugänglichen Vogelschutzwarte. Familien des verarmten Mittelstandes, der Arbeiter und kleinen Beamten, welchen das Geld für eine Sommererholung fehlte, konnten sich hier günstig erholen. Der Hauptiniziator des Rheinstrandbades war, wie bei der Dammerstocksiedlung auch, Bürgermeister Hermann Schneider. Nach ihm ist die Hauptzufahrtsstrasse nach Rappenwört benannt.
Zu jener Zeit gab es auch genügend Gegner des Rheinstrandbades. Die Einwände reichten von grundsätzlichen Bedenken gegen Freiluftbäder bis zu Bedenken finanzieller Art. Zu dieser Zeit war die Arbeitslosigkeit sehr hoch und die Staatskassen leer. Deshalb beteiligte sich auch der Staat nicht, wie ursprünglich einmal geplant, an der Vogelschutzwarte. Diese wurde am 1. August 1929 eröffnet und musste dann aber am 31. März 1934 aus finanziellen Gründen wieder schließen, nachdem nur noch ausschließlich Schulklassen diese besuchten. Aber auch die Schulklassen waren ausgeblieben, da der Pendelverkehr der Straßenbahn während der Woche eingestellt wurde.
1933 musste auf Anweisung der NSDAP Ortsgruppenleitung der Arbeitermusikverein Daxlanden mit dem Musikverein Harmonie zusammengehen. Die “Freie Turnerschaft” wird verboten.
1934 Gündung des Handharmonika Orchesters (HOD)
Im Jahre 1936 wurde mit dem Bau der Rheinstrandsiedlung durch den Mieter- und Bauverein begonnen und ab 1939 mit Beginn des 2. Weltkrieges unterbrochen. Die Rheinstrandsiedlung sollte ursprünglich einmal “Adolf Hitler Siedlung” heißen. Das wurde jedoch vom Reichsstatthalter Robert Wagner erfolgreich verhindert. Der Weiterbau erfolgte erst ab 1954 mit dem Bau der Badenwerkswohnungen. Die Historischen Fotos findet man unter „Historisches, Wohnbauprojekte“.
Die Lokalbahn (Lobberle) fuhr parallel zur Strassenbahn bis 1938 nach Daxlanden. Danach wurde die Strecke stillgelegt.
Am 4. Dezember 1944 zerstörten Bomben zahlreiche Häuser und zerstörten das Versorgungssystem. Danach wurden die Bewohner in ländliche Gegenden evakuiert. Als die Evakuierten 1945 wieder nach Daxlanden zurückkehrten begann die große Zeit des Wiederaufbaus.
Am 6. Januar 1946 findet die Gründerversammlung des TSV 1889 statt, welche auf der Tradition des früheren Turnvereins Daxlanden aufbaut.
Ein Kleingartenverein siedelte sich an der Durmersheimer Landstraße an, der spätere KGV Dammweg.
1948 Gründung des Kleingartenvereins Rheinstrandsiedlung. Die Anlage gab es bereits seit 1938, der Gründung der Rheinstrandsiedlung.
Am 28. Mai 1954 Richtfest für das neu erbaute Rheinhafen Dampfkraftwerk (RDK)
1954 gründete sich auch der FC Albsiedlung. Jedoch noch ohne eigenen Sportplatz
Von 1954 bis 1957 wurden die Badenwekswohnungen in der Rheinstrandsiedlung erbaut.
1959 Der Kleingartenverein Hintere Waid wurde gegründet.
1960 bekam der FC Albsiedlung den Sportplatz in der Hohl.
1962 Offizielles Gründungsjahr des Spotschützenvereins Daxlanden.
1965 Der Kleingartenverein an der Durmersheimer Landstraße mußte weichen und bekam das Ersatzgelände in der Waid. Der KGV Dammweg wurde geboren.
1966 wurden in der Rheinstrandsiedlung die Volkswohnungs-Hochhäuser gebaut. Fotos davon findet man unter Historisches, Wohnbauprojekte.
Ebenso für die Häuser in der Valentinstrasse und dem Zanderweg.
1971 Gründung der Jugendfeuerwehr Daxlanden.
1973 wurde das Christophorus Haus (C-Haus) in der Thomas Mann Straße erbaut.
Die Einfamilienhäuser welche 1918 und 1919 in der Valentinstrasse und der Holländerstrasse gebaut wurden und irgendwann der Volkswohnung zukamen mussten ab 1981 dringend renoviert werden. Auch wurden Anbauten angebracht um jedem Häuschen ein Badezimmer zu bieten. Das gemeinsame Waschhaus im Innenhof der Anlage hatte schon lange ausgedient Fotos davon findet man hier.
1979 wurden die Pfadfinder Daxlanden ins Leben gerufen.
1980 wurde die Rheinstrandhalle eingeweiht
1982 wurde das 1. Daxlander Straßenfest veranstaltet. Es wurde beschlossen, dass ein Teil der Gewinne für die Finanzierung der Rheinstrandhalle verwendet werden und von fortan alle 2 Jahre ein Straßenfest stattfinden soll.
1982 Das Gehörlosenzentrum wird errichtet.
Das neue Feuerwehrhaus wird 1982 eingeweiht.
Der Kleingartenverein Rheinaue wurde 1982 in der Hinteren Waid eingeweiht.
Fortsetzung folgt......
|